"Mit Franziskus kam der Frühling Jesu Christi in die Welt zurück." (Leonardo Boff) 

Franziskus übersetzt uns durch sein Leben die Spuren des göttlichen Geheimnisses, das das menschliche Dasein bewohnt. Das Ereignis der Inkarnation dieses Geheimnisses in Jesus von Nazareth ergreift ihn zutiefst und durchdringt alle seine Lebensvollzüge.

Aus der Tiefe seiner mystischen Verbindung mit Gott wächst die Entscheidung für die radikale Form der Armut: "Nichts besitzen, auf dass Gott alles in allem ist". Sie berührt seine tiefste Identität. Gott ist ihm Antwort, Bestätigung und Erfüllung - und ein Gegenüber mit einem menschlichen Antlitz:

Jesus als Bruder der Menschen,
als Mensch für andere, der sich hingibt,
                                        der hilft und heilt,
                                        der liebt und leidet.

Diese Gott-Begegnung ereignet sich für Franziskus, als er den Aussätzigen küsst. Der Mensch in Not wird ihm zur Ikone Gottes. Fortan lebt er in Solidarität mit den Armen und gibt ihnen so die menschliche Würde wieder als seinen Brüdern und Schwestern.

Bild TAU
Das TAU-Zeichen, das Franziskus sehr geliebt hat

Geschwisterlichkeit zu schaffen, das ist der leidenschaftliche Appell, der von seinem Leben ausgeht.

Nicht nur die Menschen, auch die Dinge gewinnen für Franziskus Gestalt und Antlitz, die transparent werden auf ihren Schöpfer hin. Alles Geschaffene erlebt er in Kommunikation, die beseelt ist von der Wirklichkeit Gottes. So werden ihm die Elemente, die Gestirne und selbst der Tod zu Schwester und Bruder.

In Franziskus selbst aber wird der Gekreuzigte transparent, dessen Blick ihn in San Damiano getroffen und nie mehr losgelassen hat. Auf dem Berg La Verna vollendet sich diese Transparenz, indem die Wundmale Jesu an Franziskus sichtbar werden.

"Er hat einen Weg durch die Jahrhunderte gezeigt und eröffnet, auf dem viele Menschen die Nachfolge des Herrn in immer neuen Wagnissen versuchen, jeder auf seine Art und im Kontext seiner je verschiedenen Zeit, aber in der gleichen Zielrichtung einer evangelischen Perspektive." (C. Pohlmann)