Vermutlich im Jahr 1194 wird Klara in einer adeligen Familie Assisis geboren. Als Kind erlebt sie den Aufstand der Bürger gegen die Adeligen, der sie für einige Zeit aus der Heimatstadt vertreibt. Noch besteht durch den Standesunterschied ein tiefer Graben zwischen Franziskus und Klara. Doch beide lernen verstehen, dass Wohlstand und Prestige nicht das letzte Glück sein können; sie finden es erst in der Begegnung mit dem armen Jesus Christus. Ein Leben lang wird Klara sich dagegen wehren müssen, dass Besitztümer ihre Sicherheit garantieren sollen.

Die religiöse Erziehung im Haus der Mutter Ortulana fällt bei Klara auf fruchtbaren Boden. Mit ihrem wachen Herzen spürt sie, dass der Luxus der eigenen Familie nicht einem Leben nach dem Evangelium entspricht; sie spart sich das Essen vom Mund ab und lässt es den Armen zukommen. Früh schon will sie ganz Gott gehören und nichts wissen von den Heiratsplänen ihrer Familie.

Mit großer Spannung verfolgt sie wohl den Weg Francescos, den viele in Assisi für einen Narren halten, und hört seine Predigten. Er spricht ihr aus der Seele. Im Geheimen trifft sie sich mit ihm und seinen Brüdern. Nicht bloß Almosen geben, selber arm sein schafft eine wirkliche Nähe zu Christus! Mit der Unbedingtheit eines jungen Menschen zieht sie 18-jährig die Konsequenzen. Heimlich verlässt sie am Palmsonntag abends, vermutlich im Jahr 1212, die Sicherheit ihrer Familie und eilt nach Portiuncula in die Brüdergemeinschaft des Franziskus, wo sie ihren wahren Reichtum, Jesus Christus, weiß. Ihm weiht sie sich gegen allen Protest ihrer Familie.

Bild von Klara von Assisi

Ihm weiht sie sich gegen allen Protest ihrer Familie. Ihre Schwester Katharina - Klara nennt sie Schwester Agnes - geht einige Tage später den gleichen Weg. Arm wollen sie sein, zuerst als Mägde in anderen Klöstern, doch bald als die Armen Frauen von San Damiano. "Arm leben" und "leben nach der Vollkommenheit des Evangeliums" sind für Franziskus und Klara identische Lebensformen. 

Nach einer Probezeit nimmt Franziskus Klara und ihre Schwestern in seine Gemeinschaft auf, verspricht ihnen seinen Beistand und den der Brüder und gibt ihnen eine Urregel, eine "Forma vivendi". Bald schließen sich ihnen auch andere Mädchen und Frauen an, auch Klaras Mutter Ortulana.

In San Damiano wächst eine Gemeinschaft, in der Gott "alles Gut, höchstes Gut, die Fülle des Guten" ist. Was können sie nicht alles zurücklassen, wenn das Herz - auch durch alle Dunkelheiten hindurch - in der Begegnung mit Gott selig ist? Ein armes, einfaches Leben, der Hände Arbeit und das Zwiegespräch mit Gott bestimmen den Tagesablauf der Schwestern.

Klara schläft auf dem Boden, einen Flussstein als Kissen, trägt Bußkleider, fastet so streng, dass Franziskus sie zur Mäßigung rufen muss. Wenn sie vom Gebet kommt, strahlt ihr Gesicht "heller als die Sonne und ihre Worte strömen eine unsagbare Süße aus". So bezeugen es die Schwestern beim Heiligsprechungsprozess. Aufgrund der benediktinischen Regel, die ihr aufgezwungen wird, ist Klara Äbtissin, sie versteht sich aber als "ministra", als Dienerin ihrer Schwestern. Oft wäscht sie selbst den Schwestern, die Außendienst machen, die Füße und begegnet ihnen mit großer Ehrfurcht. Ihre Nähe und ihr Gebet richten Bedrückte auf, heilen Kranke, schlagen Feinde in die Flucht.

Die Beziehung zwischen Franziskus und Klara ist tief in Gott verwurzelt. Ihre Begegnung entfacht die Glut der Gottesliebe so sehr, dass - wie eine Legende erzählt - die Bewohner von Assisi meinen, Portiuncula und der Wald stünden in hellen Flammen, während sie dann dort Klara, Franziskus und die Brüder beim gemeinsamen Mahl und Lobpreis Gottes finden.

Klara erweist sich als starke Frau. Ein Leben lang kämpft sie mit Päpsten und deren Vertretern um eine Regel, die dem Geist des hl. Franziskus entspricht. Immer wieder will man ihr, nach dem Vorbild von damals bestehenden Frauenorden, Besitztümer als Existenzgrundlage ihrer Gemeinschaft anbieten. Von Papst Innozenz III. erreicht sie das Privileg der Armut: Niemand darf die Schwestern zwingen, Besitztümer anzunehmen. Erst zwei Tage vor ihrem Tod hält sie die approbierte Regel in Händen, die sie selbst verfasst hat und die franziskanische Identität garantiert. Nach langer Krankheit stirbt sie am 11. August 1253. Das Licht, die Helligkeit, die sie ausstrahlt, ist bis heute nicht erloschen.