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Im Herbst dieses Jahres hört er im Kirchlein San
Damiano die Stimme des gekreuzigten Christus:
"Franziskus, geh und stelle mein Haus wieder her, das,
wie du siehst, zu zerfallen droht." Er versteht diesen
Auftrag wörtlich und löst das Problem - wie gewohnt -
mit dem Reichtum seines Vaters: Er verkauft einen
Tuchballen, um sich Geld für den Wiederaufbau zu
verschaffen. Der erzürnte Vater gibt ihm Hausarrest,
die Mutter löst aber wieder die Ketten. Mit eigenen
Händen und erbetteltem Material restauriert Franziskus
nun verfallene Kirchen und Kapellen der Umgegend.
Nach der Rückkehr des Vaters kommt es zu einer
öffentlichen Verhandlung vor dem Bischof der Stadt, bei
der Franziskus auf sein Erbe verzichtet; alles, was er
vom Vater hat, gibt er zurück und sagt: "Bisher
habe ich gesagt: Vater Bernardone, künftig werde ich
nur sagen: Vater unser, der du im Himmel
bist."
Er bricht mit seinem Vater, aber vor allem bricht er
mit seiner Art, das Leben zu bewältigen. Geld
verabscheut er nun, wie in jungen Jahren den Aussatz,
und er verbietet sich und allen, die ihm folgen, Geld
auch nur anzurühren. Arbeiten und Betteln sollen seinen
Lebensunterhalt decken. Ein Armer unter Armen will er
sein, einer, der alles vom Vater im Himmel
erwartet.
Am 24. Februar 1208 bringt ihm das Tagesevangelium
(Mt 10,7 ff), das er in der Portiuncula-Kapelle hört,
endgültig Klarheit über seinen zukünftigen Lebensweg:
Nach dem Evangelium leben! Nur Gott soll sein Reichtum
sein! Christus will er verkünden!
Das zündet! Streben nach Besitz, Macht, Ansehen
haben schon zu viel Unheil über die Menschen gebracht!
Noch im selben Frühling schließen sich ihm Gefährten an
und schon 1209 wandert Franziskus mit 12 Brüdern nach
Rom, um sich von Papst Innozenz III. die Zustimmung zu
einem Leben nach dem Evangelium geben zu lassen. Beim
Pfingstkapitel 1221 werden es 5000 sein. Mindere Brüder
wollen sie sein, weil Gott auf der Seite der Armen
steht.
Im Frühjahr 1212 schließt sich Klara Franziskus
endgültig an und identifiziert sich mit der Lebensform
des Franziskus und seiner Gefährten. Die Liebe zu Jesus
Christus stiftet ein tragfähiges Band der Freundschaft
zwischen ihnen.
Oft drängt es Franziskus in die Einsamkeit zu einem
kontemplativen Leben. Doch Schwester Klara und Bruder
Silvestro lassen ihn wissen, dass Gott ihn mitten unter
den Menschen haben will.
Sein Leben ist geprägt von der Lebensgemeinschaft
mit dem armen und gekreuzigten Christus. Die
Weihnachtspredigt in Greccio 1223, in der Franziskus
vom "Deus semper minor" predigt, und die Identifikation
mit der Liebe des Gekreuzigten durch den Empfang seiner
Wundmale auf dem Berg La Verna 1224 sind bezeichnend
für seine Spiritualität.
Die letzten zwei Jahre seines Lebens sind von Leiden
und Schmerzen an Leib und Seele gezeichnet. Als die
Nebel der Depression weichen, bricht aus ihm der
Sonnengesang hervor.
Sterben will Franziskus auf dem Mutterboden
Portiuncula. Dort teilt er noch einmal mit seinen
Brüdern das Brot und nackt auf dem Boden liegend, die
Arme zum Kreuz ausgebreitet, will er Christus
entgegengehen. Am 3. Oktober 1226 stirbt er in dieser
Welt, aber er lebt in der Gemeinschaft mit Christus, in
seinen Brüdern und Schwestern.
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