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Die Abfolge von Daten sagt wenig über diesen Mann
von großem geistigen Format, dem weiten Herzen und dem
rastlosen Leben für andere.
"Ich hatte vor 1839 den Plan entworfen, der
antichristlichen Schulbildung durch eine
christkatholische Erziehung, der rationalistischen
Behandlung der Armen, Verwahrlosten und Verbrecher
durch eine auf den Prinzipien christlichen Glaubens und
christlicher Liebe beruhende Verpflegung und Leitung
mittels religiöser Kongregationen, die den
Landesbedürfnissen entsprechend eingerichtet wären, zu
begegnen. Ich wollte diese Kongregationen so
einrichten, dass sie überall hinpassten, überall
Aufnahme finden könnten. Dieser Plan schwebte mir stets
vor Augen bei allem, was ich unternahm; dazu sollte mir
alles dienen." (Schreiben an den Bischof von
Basel, 1856)
Zur Verwirklichung dieses Planes gründete Pater
Theodosius - in einer Zeit des antiklerikalen
Liberalismus, in der Klöster aufgehoben und
Klosterschulen geschlossen wurden - die Kongregation
der Schwestern vom heiligen Kreuz aus dem Dritten Orden
des heiligen Franz von Assisi:
"Ich werde Schwestern dorthin senden, wo sie
sehnlichst erwartet werden: zu den Armen und zu den
Bildungshungrigen, zu den Kranken und zu den
Verwahrlosten, zu den Waisen und zu den Fabrikkindern
und Industriearbeitern. Sie werden dort eine
Lebensweise leben, durch die sie die Gegenwart Christi
unter den Menschen bezeugen. Sie werden zeigen, wie
lebendig christliche Nächstenliebe sein kann. Sie
werden die Not mit den Armen teilen und allen alles
werden."
Pater Theodosius verlangte das, was nach dem Willen
Gottes jedes Leben verlangt: volle Hingabe aller Kräfte
an die Aufgabe. Die Arbeit war ihm nicht weniger
wichtig als das Gebet, "weil sie Gott verherrlicht,
dem Nächsten dient und so die schönsten menschlichen
Beziehungen zueinander schafft."
Mit der Gründung dieser zeitgemäßen
sozial-karitativen Kongregation machte Pater Theodosius
bislang verborgene Kräfte der Gesellschaft fruchtbar
für eine bessere Zukunft. Einfache Frauen konnten in
der Gemeinschaft als Kreuzschwestern vielfältige
Sachkompetenz erwerben und damit nachhaltig
Not-Wendendes tun.
In seinem Lebenslauf schreibt Pater Theodosius:
"Was immer die Menschen sagen mögen, mein Grundsatz
ist: Was Bedürfnis der Zeit ist, das ist Gottes Wille.
Wer also einem Bedürfnis begegnet, erfüllt Gottes
Willen." Er war überzeugt: Gott ist in unserem
konkreten Leben. Sein Anruf trifft uns im Alltag aus
der Mitte unserer Existenz, drängt uns zur Entscheidung
und fordert als Antwort ein Tun.
So organisierte Pater Theodosius als Pfarrer von
Chur die katholische Schule und nahm sich der Armen an.
Mit verschiedenen Zweigen der Heimindustrie schuf er
wenigstens vorübergehend Arbeit und Lernmöglichkeiten
vor allem für die Jugend. Mit Unterstützung
protestantischer Freunde richtete er ein Spital ein und
vertraute die wachsenden Werke der Caritas den
"Barmherzigen Schwestern vom heiligen Kreuz" an.
Die Sorge um den Menschen in Abhängigkeit von
Kapital und Maschine ließ Pater Theodosius bis an sein
frühes Lebensende nicht los. In der berühmt gewordenen
Frankfurter Rede legte er 1863 seine Reformgedanken
dar.
Er wagte neue Wege zur Lösung der Arbeiterfrage -
Jahrzehnte, bevor sich die Kirche offiziell darum
annahm. Der Bettelmönch erwarb Fabriken, ermöglichte
Arbeit und Verdienst unter vergleichsweise humanen
Bedingungen.
Der Versuch, auf diese Weise neue Wege in eine neue
Zeit zu bahnen, musste fast notwendig scheitern. Dem
Kirchenmann fehlte es nicht nur an unternehmerischer
Erfahrung und Planung, sondern auch an realistischer
Einschätzung des Möglichen unter den gegebenen
Umständen.
Solidarität aus der Kraft des Glaubens, dieses
eigentliche und zeitlos gültige Anliegen von Pater
Theodosius Florentini, trugen die beiden
Frauenkongregationen weiter, die er gegründet hatte:
die Kreuzschwestern von Menzingen und Ingenbohl. Dank
der tapferen Frauen des Anfangs überlebten die
Gemeinschaften trotz aller Schwierigkeiten. Beide
bewahrten die Ideen des Stifters als Erbe: die
Verbindung von Jugendbildung und Caritas - zum Wohl der
Menschen und zur Ehre Gottes. Die Lehrschwestern von
Menzingen widmeten sich bald auch dem Dienst an Armen
und Kranken in weiten Teilen der Welt. Und die
Barmherzigen Schwestern vom heiligen Kreuz in Ingenbohl
nahmen in großem Umfang die Schule wieder in ihr
Programm auf.
Am Abend vor dem tödlichen Schlaganfall saß P.
Theodosius Florentini in seinem Absteigquartier
zusammen mit Männern eines protestantischen
Gesangvereins und hielt eine Tischrede mit der
Kernaussage eines Augustinus-Wortes, das er auf Bitten
des Dirigenten ins Gästebuch schrieb: "Im
Notwendigen Einheit, im Ungeklärten Freiheit, in allem
die Liebe."
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