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So traf der Plan des P. Theodosius, der vielfachen
Not in der Bevölkerung durch Unterricht, Armenfürsorge
und Krankenpflege zu begegnen, bei der jungen Katharina
auf ein waches und bereites Herz.
Im Frühjahr 1845 trat sie der gerade entstandenen
Kongregation der Schwestern vom heiligen Kreuz bei und
legte noch im selben Jahr die Ordensgelübde ab.
Unterricht an verschiedenen Orten, zugleich private
Vorbereitung auf die Lehramtsprüfung, darin bestand
ihre erste Tätigkeit im Orden. Aber schon 1850 wurden
ihr die Leitung des Armenhauses in Näfels und der
Unterricht an der Industrieschule anvertraut. Und zwei
Jahre später wendete sich P. Theodosius an sie mit der
Bitte, die Leitung des Bürgerspitals in Chur sowie der
Schwesterngemeinschaft zu übernehmen, und sie sagte ihm
"Treue, Hilfe und Beistand" zu.
1857 wurde die erst 32-jährige Sr. Maria Theresia -
nach der Trennung der Institute der Lehrschwestern von
Menzingen und der Barmherzigen Schwestern von Ingenbohl
- von ihren Mitschwestern zur Generaloberin, zur Frau
Mutter gewählt. Durch viermalige Wiederwahl bestätigt,
blieb sie bis an ihr Lebensende in diesem Amt. Zu Recht
wurde sie überall "Mutter" genannt - nicht nur von
ihren Schwestern, die sie auf beschwerlichen Reisen
durch halb Europa unermüdlich besuchte.
Das in Chur gegebene Versprechen hat Mutter Maria
Theresia gehalten, auch in der Zeit, als der Bestand
des Instituts gefährdet war. Mit Sorge sah sie die
Übernahme der Fabriken und das damit verbundene
finanzielle Risiko. Tapfer und voll Großmut übernahm
sie nach dem plötzlichen Tod von P.Theodosius mit ihren
Schwestern die Last der Schulden und rettete damit den
Namen des Gründers. Seine Abschiedsworte im Dezember
1864 waren für sie ein Vermächtnis: "Wir alle
stehen in Gottes Hand. Ich hoffe und wünsche, der liebe
Gott möge mir Gnade geben, alles zu ordnen, was wir zu
seiner Ehre unternommen haben. Sollte er mich früher
abberufen, so bin ich bereit und lege alles in Ihre
umsichtige Hand."
Auf den schauend, "von dem alle Kraft
kommt", trug Mutter Maria Theresia mit ihren
Schwestern das von P. Theodosius gegründete Werk in die
Zukunft.
Die erstaunlichen Werke der Generaloberin von
Ingenbohl und ihrer Schwestern sind aus persönlichen
Fähigkeiten und qualifiziertem Management allein nicht
zu erklären. Sie gründen im Geheimnis fortwährender
Antwort auf Berufung. Mutter Maria Theresia lebte ihren
Glauben im gewöhnlichen Alltag. Was ihr widerfuhr, nahm
sie als An-Spruch wahr. Ihre Tage waren randvoll mit
Arbeit und Begegnungen, mit Beglückendem und
Belastendem, mit Interessantem und Banalem. Die
"Andacht zum Gewöhnlichen", die "Mystik des Alltags"
(K. Rahner) kennzeichnet ihr Leben. Dazu gehört auch
der tägliche Gebetsrhythmus. Die Vielbeschäftigte
fehlte kaum einmal beim gemeinsamen Gebet.
Als Barmherzige Schwester vom heiligen Kreuz, in der
Nachfolge Christi hat Mutter Maria Theresia ihre
kraftvolle Persönlichkeit entwickelt. Sie wirkte auf
ihre Zeitgenossen als überragende Gestalt. Noch in
ihrem Todesjahr wurde sie als einzige Frau in die
"Schweizerische Porträt-Galerie" als
"geschichtsbestimmende Persönlichkeit" aufgenommen. Und
im "Politischen Jahrbuch der Schweizerischen
Eidgenossenschaft" scheint sie als weibliche
Vertreterin der "Schweizer Originalmenschen" auf: "Bei
aller gut katholischen Religiosität" war sie
"ausgestattet mit einem merkwürdig vorurteilslosen
Geist mit voller Lösung von persönlichem Egoismus, die
das Geheimnis der Macht über Menschen ist". So
charakterisiert sie Carl Hilty, Protestant,
Universitätslehrer und Politiker.
Am 16. Juni des Jahres 1888 starb Mutter Maria
Theresia. Bald als fürbittende Helferin verehrt, wurde
ihr Grab auf dem Ingenbohler Hügel zum Wallfahrtsort.
Auch heute noch pilgern viele Menschen zu ihrer
Grabstätte in die Krypta der Klosterkirche und suchen
Trost und Hilfe.
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