Anna Maria Katharina Scherer

 

Mitbegründerin und erste Generaloberin der Barmherzigen Schwestern vom heiligen Kreuz, Ingenbohl

geb. am 31. Oktober 1825 in Meggen, Kanton Luzern
1832 Tod des Vaters
1844 Begegnung mit P. Theodosius Florentini
1845 Eintritt in die Kongregation der Lehrschwestern von Menzingen am 1. März
1845 Ordensprofess in Wurmsbach am 27. Oktober - Schwester Maria Theresia
1856 Trennung der Institute: Sr. Maria Theresia entschließt sich nach strenger Prüfung ihres Gewissens für die Ingenbohler Schwestern mit P. Theodosius als Superior
1857 Wahl zur ersten Generaloberin
gest. am 16. Juni 1888 in Ingenbohl
seliggesprochen am 29. Oktober 1995 in Rom

Die Begegnung mit P. Theodosius Florentini am 5. Oktober 1844 in Altdorf war für die Bauerntochter Katharina Scherer wegweisend für ihre Berufsentscheidung. Im Bürgerspital Luzern hatte sie als Hilfspflegerin das Elend der armen und kranken Menschen gesehen.

So traf der Plan des P. Theodosius, der vielfachen Not in der Bevölkerung durch Unterricht, Armenfürsorge und Krankenpflege zu begegnen, bei der jungen Katharina auf ein waches und bereites Herz.

Im Frühjahr 1845 trat sie der gerade entstandenen Kongregation der Schwestern vom heiligen Kreuz bei und legte noch im selben Jahr die Ordensgelübde ab.

Unterricht an verschiedenen Orten, zugleich private Vorbereitung auf die Lehramtsprüfung, darin bestand ihre erste Tätigkeit im Orden. Aber schon 1850 wurden ihr die Leitung des Armenhauses in Näfels und der Unterricht an der Industrieschule anvertraut. Und zwei Jahre später wendete sich P. Theodosius an sie mit der Bitte, die Leitung des Bürgerspitals in Chur sowie der Schwesterngemeinschaft zu übernehmen, und sie sagte ihm "Treue, Hilfe und Beistand" zu.

1857 wurde die erst 32-jährige Sr. Maria Theresia - nach der Trennung der Institute der Lehrschwestern von Menzingen und der Barmherzigen Schwestern von Ingenbohl - von ihren Mitschwestern zur Generaloberin, zur Frau Mutter gewählt. Durch viermalige Wiederwahl bestätigt, blieb sie bis an ihr Lebensende in diesem Amt. Zu Recht wurde sie überall "Mutter" genannt - nicht nur von ihren Schwestern, die sie auf beschwerlichen Reisen durch halb Europa unermüdlich besuchte.

Das in Chur gegebene Versprechen hat Mutter Maria Theresia gehalten, auch in der Zeit, als der Bestand des Instituts gefährdet war. Mit Sorge sah sie die Übernahme der Fabriken und das damit verbundene finanzielle Risiko. Tapfer und voll Großmut übernahm sie nach dem plötzlichen Tod von P.Theodosius mit ihren Schwestern die Last der Schulden und rettete damit den Namen des Gründers. Seine Abschiedsworte im Dezember 1864 waren für sie ein Vermächtnis: "Wir alle stehen in Gottes Hand. Ich hoffe und wünsche, der liebe Gott möge mir Gnade geben, alles zu ordnen, was wir zu seiner Ehre unternommen haben. Sollte er mich früher abberufen, so bin ich bereit und lege alles in Ihre umsichtige Hand."

Auf den schauend, "von dem alle Kraft kommt", trug Mutter Maria Theresia mit ihren Schwestern das von P. Theodosius gegründete Werk in die Zukunft.

Die erstaunlichen Werke der Generaloberin von Ingenbohl und ihrer Schwestern sind aus persönlichen Fähigkeiten und qualifiziertem Management allein nicht zu erklären. Sie gründen im Geheimnis fortwährender Antwort auf Berufung. Mutter Maria Theresia lebte ihren Glauben im gewöhnlichen Alltag. Was ihr widerfuhr, nahm sie als An-Spruch wahr. Ihre Tage waren randvoll mit Arbeit und Begegnungen, mit Beglückendem und Belastendem, mit Interessantem und Banalem. Die "Andacht zum Gewöhnlichen", die "Mystik des Alltags" (K. Rahner) kennzeichnet ihr Leben. Dazu gehört auch der tägliche Gebetsrhythmus. Die Vielbeschäftigte fehlte kaum einmal beim gemeinsamen Gebet.

Als Barmherzige Schwester vom heiligen Kreuz, in der Nachfolge Christi hat Mutter Maria Theresia ihre kraftvolle Persönlichkeit entwickelt. Sie wirkte auf ihre Zeitgenossen als überragende Gestalt. Noch in ihrem Todesjahr wurde sie als einzige Frau in die "Schweizerische Porträt-Galerie" als "geschichtsbestimmende Persönlichkeit" aufgenommen. Und im "Politischen Jahrbuch der Schweizerischen Eidgenossenschaft" scheint sie als weibliche Vertreterin der "Schweizer Originalmenschen" auf: "Bei aller gut katholischen Religiosität" war sie "ausgestattet mit einem merkwürdig vorurteilslosen Geist mit voller Lösung von persönlichem Egoismus, die das Geheimnis der Macht über Menschen ist". So charakterisiert sie Carl Hilty, Protestant, Universitätslehrer und Politiker.

Am 16. Juni des Jahres 1888 starb Mutter Maria Theresia. Bald als fürbittende Helferin verehrt, wurde ihr Grab auf dem Ingenbohler Hügel zum Wallfahrtsort. Auch heute noch pilgern viele Menschen zu ihrer Grabstätte in die Krypta der Klosterkirche und suchen Trost und Hilfe.