"Er der ruft, ist treu,
er wird es auch wirken und vollenden." 

(1. Thessalonicher 5,24)

Wie gut, dass ich in einer Familie aufwachsen durfte, in der AUSHALTEN, DURCHHALTEN und ZUSAMMENHALTEN wichtig waren. Das ist ein wahrhaft tragfähiges Erbe, um das eigene Leben in die Hand nehmen zu können.
Trotz vieler Schicksalsschläge und erschütternder Ereignisse, wie der plötzliche Tod lieber Angehöriger, war die Zufriedenheit zu Hause immer groß geschrieben. Ein bodenständiger Glaube hat alle und alles getragen.

Die Kreuzschwestern habe ich in der Haushaltungsschule in Hall in Tirol kennengelernt. Während dieser Zeit ist auch der Ruf zum Ordensleben in mir wach geworden und herangereift.
Sehr dankbar bin ich für die vielen Möglichkeiten der Aus- und Weiterbildung, die mir im Kloster ermöglicht wurden, denn ich war beim Eintritt sehr jung und hatte noch keinen  Beruf erlernt.
Viele Jahre hindurch spürte ich den Antrieb, meine Kräfte und Fähigkeiten in Brasilien missionarisch einzusetzen, wo unsere Schwestern seit 1966 arbeiten.


Nach 8 Jahren Schuldienst aussteigen und neu aufbrechen, war keine leichte Entscheidung. Rückblickend aber kann ich sagen, es war ein richtiger Schritt. Die vielfältigen Erfahrungen und Lernprozesse in den 12 Jahren Brasilien haben einen weiten Horizont aufgetan, mein Leben bereichert, verändert und geprägt. Herausfordernde Lernjahre nenne ich die pastoralen und sozialen Dienste in den verschiedensten Basisgemeinden, zumeist in armen Gebieten im Nordosten Brasiliens.

In der Begegnung mit dem einfachen Volk, im Mitleben und Mitgehen durch Freud und Leid mit diesen Menschen konnten wir gemeinsam erfahren, wie das Wort Gottes  im wahrsten Sinne Erdung bekam. Die sogenannte Option für die Armen zu leben, bleibt immer ein Versuch. Ich bin aber überzeugt, dass es sich gelohnt hat, dafür zu kämpfen und einzustehen. Möge so mancher Same aufgehen und Früchte tragen für die notleidenden Menschen, für unsere Mitschwestern und für die junge lebendige Kirche Brasiliens.

In der eigenen Provinz Tirol-Vorarlberg gab es immer weniger jüngere Schwestern und so war es ihr Wunsch, dass ich wieder in die Heimat zurückkehre. Mir schien dieses Anliegen sehr berechtigt und ich spürte auch eine persönliche Neigung dazu. Der Zeitpunkt kam mir ebenso günstig vor, um mich noch gut eingewöhnen und umstellen zu können. Nach langem Ringen und Beten machte ich mich erneut auf, nahm schweren Herzens Abschied von Brasilien und versuchte hier wieder Fuß zu fassen.
Mission heißt ja in erster Linie und immer Sendung. Auf diese will ich nun im eigenen Land meine Antwort geben, wo immer mein Arbeitsfeld ist oder sein wird. Gott geht alle Wege mit, denn:

Er der ruft, ist treu, er wird es auch wirken und vollenden.

Sr. Barbara Achrainer