Ich bin als Jüngste im Kreis von sechs Geschwistern auf dem Land aufgewachsen. Die Eltern gaben mir eine bodenständige Lebenseinstellung und eine gesunde Frömmigkeit mit.
An einen Klostereintritt dachte ich zunächst überhaupt nicht. Als ich jedoch von unserem Seelsorger eine Broschüre der Kreuzschwestern erhielt, beschäftigte mich der Gedanke immer mehr, und allmählich festigte sich in mir der Entschluss, diese Lebensform zu wählen.

Da ich bei meinem Eintritt noch recht jung war, absolvierte ich als Kandidatin ein Gymnasium, das in sieben Jahren zum Abitur führte. Dann folgten Ordensausbildung und Studium an der Universität Würzburg in den Fächern Chemie und Biologie für das Lehramt an Höheren Schulen.
Während dieser Zeit habe ich mich immer wieder gefragt, ob das Ordensleben wirklich mein Lebensweg sei. Trotz mancher Zweifel ließen Erfahrungen im Alltag und auf meinem geistlichen Weg Schritt für Schritt die Gewissheit in mir wachsen: Du bist auf der richtigen Spur! Hier will dich Gott haben.


Mit Freude unterrichtete ich 10 Jahre lang in der Schule. Jungen Menschen ein gutes Basiswissen zu vermitteln, mich mit ihnen auseinanderzusetzen und sie menschlich zu begleiten schenkte mir Erfüllung. Zwischenzeitlich nahm ich ein Jahr "Auszeit", um mich im Institut der VOD (Vereinigung der Ordensobern Deutschlands) religiös und spirituell weiterzubilden.
Seit 1978 war ich - neben meinem Einsatz in der Schule - in der Ordensleitung als Rätin tätig. 1983 wurde mir das Amt der Provinzoberin übertragen, das ich sechs Jahre ausübte. Dann holte mich die Schule wieder ein: - diesmal in der Verantwortung als Schulleiterin.
Seit Februar 2009 bin ich im "aktiven Ruhestand". Die Mitarbeit bei den Projekten "Werte" und "Schriften der Gründer" bedeutet eine kleine neue Herausforderung für mich, der ich mich gern stelle.

Wenn ich auf mein Leben zurückschaue, so kann ich sagen, dass sich die Führung Gottes wie ein roter Faden durch all die Jahre zieht und dass ich - getragen von IHM - immer tiefer in die Gemeinschaft der Schwestern v. hl. Kreuz hineinwachsen durfte. Ein Wort von M. M. Theresia war für mich richtungweisend: Suchen Sie nie das Außergewöhnliche, sondern gehen Sie einfach die Wege Gottes.
Wo ich vor neue Herausforderungen gestellt wurde, schenkte mir das Wort von Alfred Delp Halt und Zuversicht: "Gottes Kraft geht alle Wege mit",
ebenso der Ausspruch von P. Theodosius: "Mit Gott und für Gott kann man vieles."
Ich danke Gott für sein Mit-mir-Sein in der Vergangenheit und gehe im Vertrauen auf ihn der noch vor mir liegenden Wegstrecke entgegen.

Sr. Hildburg Baumgartner