Du Großer, mir von Gott Bedachter
und lange schon vor mir Vollbrachter,
vergib mir, dass ich so gering -
ein abgetanes, graues Ding! -
von Gott dir zugewiesen bin.
Mach es mit Gott dem Schöpfer ab,
dass er dir nicht ein Bessres gab,
und nimm mich gnädig hin!

Du großes, schönes, steiles Licht,
ich brauche dich, verwirf mich nicht!
Nimm alle deine Schutzgewalten
und alle Kraft; denn du musst halten
mein Dunkles! - werde bloß nicht bang -
nimm's mit verhülltem Antlitz hin;
es dauert nur ein Beten lang,
solang ich bet für "Ihn".

Du Großer, musst es schon verstehn.
Gott darf an mir nichts Dunkles sehn,
sonst wendet er sein Angesicht
und hört mein armes Beten nicht,
und mir verrinnt mein Leben .....
Und alle Mühe, die du hast
dir angetan mit meiner Last,
ist nutzlos ausgegeben.

Drum steh ein letztes Mal mir bei.
Bedenk: Noch steht die Wahl dir frei ....
Noch halt ich ja den Stern der Sterne,
trotz aller meiner Gottesferne,
noch bet ich ja für "Ihn".
Du kannst mit deiner starken Reine
noch heben mich ins Ungemeine. -
Oh, nimm mich gnädig hin.

Christine Lavant